OZONTANZ (2005/2006)

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Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und TAPST hatten zwei Klassen (10. Klasse Körnerschule und 5. Klasse Lloyd-Gymnasium) eingeladen das Thema Ozon fächer-, jahrgangsstufen- und schulübergreifend zu behandeln und tänzerisch umzusetzen. Im Rahmen des Projektes wurde ein Tanztheaterstück entwickelt, das in den Räumlichkeiten des AWI aufgeführt wurde. Auslöser und Grundidee war das Bedürfnis der Verknüpfung von wissenschaftlicher, künstlerischer und schulischer Arbeit. Der entscheidende Impuls für die Kooperation entstand im Rahmen der Auszeichnung „Stadt der Wissenschaft Bremen und Bremerhaven 2005“. In diesem Zusammenhang nahm das AWI Kontakt mit TAPST bzw. Frau Hanfgarn auf. Nach den ersten inhaltlichen und organisatorischen Überlegungen sollte das Projekt im November 2005 starten und wissenschaftliches und künstlerisches Arbeiten miteinander verbinden. Nach den Auftaktveranstaltungen für Lehrer und Schüler der Körnerschule und des Lloyd-Gymnasiums im AWI im November 2005, begann für beide Klassen das Projekt in den verschiedenen Fachunterrichten mit dem Thema Ozon, das unter den unterschiedlichsten Gesichtspunkten beleuchtet wurde. Alle Schüler beschäftigten sich in Welt- und Umweltkunde, Biologie, Chemie, Deutsch, Geografie, Kunst und Physik mit den verschiedenen Aspekten des Themas Ozon. Gleichzeitig startete eine Art tänzerischer „Crashkurs“. Gemeinsam mit mir probierten die Schüler unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten im Tanz aus und wurden nach und nach an selbstständiges choreografisches Arbeiten herangeführt.


Nach zwei Monaten, im Februar 2006, begann auf dieser Basis die Arbeit an der darstellendtänzerischen Umsetzung und Präsentation des Themas Ozon im Alfred-Wegener-Institut. Den Kindern und Jugendlichen wurden keine vorgefertigten Schritte oder Lösungen aufgedrängt, die Profis standen ausschließlich zur Seite und halfen weiter, wenn der Fluss ins Stocken geriet. In der 10. Klasse der Körnerschule sammelten die Schüler in Kleingruppen erste Ideen, probierten und probten mit professioneller Unterstützung. Der Fachunterricht wurde von den Wissenschaftlern des AWI während der gesamten Zeit in Form von Unterrichtsbesuchen unterstützt und begleitet. Folgende Fragestellungen kristallisierten sich in dieser Arbeitsphase heraus: Was interessiert die Schüler? Wo erwacht ihre ganz persönliche Neugier? Was müssen die Zuschauer über das Thema erfahren? Wie lassen sich die Räume im AWI nutzen und gestalten?

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Im März 2006 zeichnete sich die Entstehung eines Stationenparcours ab, der den räumlichen Bedingungen im AWI in Bremerhaven Rechnung trug und an verschiedenen Orten im Gebäude stattfinden sollte. Hier zeigten sich die unterschiedlichen Fähigkeiten und Neigungen der Schüler besonders deutlich. Ein Schüler hatte z.B. nach der ersten „Ortsbegehung“ im AWI auf Anhieb mehr Ideen und Orte als es Mitschüler für die Umsetzung gab. Die meisten Schüler der zehnten Klasse brauchten jedoch lange, um sich an diese Arbeitsweise des Sammelns von Ideen und Assoziationen und an das genaue Visualisieren dieser ersten Möglichkeiten zu gewöhnen. Auch die Aufteilung in die verschiedenen Arbeitsgruppen ging nur schleppend voran. Es fiel den Schülern schwer sich festzulegen und sich für eine Gruppe zu entscheiden. Auffallend viele Interessenten gab es für die Arbeitsgruppe „Technik und Guides“. Erfahrungsgemäß ein sicheres Zeichen für starke Verunsicherung gegenüber künstlerischer, kreativer Arbeit. Die Guides sollten die Besuchergruppen durch die Veranstaltung führen. Vor diesem Hintergrund entstand im April 2006 die Idee, dass sich die Schüler für die Aufgaben und Gruppen bewerben müssen. Die Bewerbung sollte schriftlich erfolgen und persönliche Stärken und Interessen beschreiben (warum bist du genau richtig für diese Gruppe?). Diese Bewerbung musste persönlich vorgetragen werden. Im Anschluss musste sich jeder Bewerber einen „Promoter“ aussuchen, der auf Basis der Bewerbung eine Argumentation aus seiner Sicht vortrug und über die beworbene Person eine eigene Einschätzung abgeben musste. Diese Aufgabe hat die Schüler unerwarteter Weise sehr inspiriert und weitergebracht. Die ganze Klasse nahm die Gelegenheit wahr, sich im Bereich Bewerbung auf den neuesten Stand zu bringen.

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Der Funke, der in der Tanzarbeit übergesprungen war, zündete mit der Idee der Bewerbungen nun auch für die praktische Umsetzung des Themas. Auch gewann die Arbeit am Projekt, zum ersten Mal für die Schüler nachvollziehbarer, einen Bezug zu ihrer beruflichen Perspektive. Besonders viel Spaß hatten sie an der persönlichen Einschätzung ihrer Mitschüler. Sie waren bemüht, sich alle in einem guten Licht darzustellen. Die Fähigkeiten jedes Einzelnen erschienen wie unter einem Vergrößerungsglas, der Bezug zu den verschiedensten Berufen greifbar und die Visionen der eigenen Person in einer Tanztheatervorstellung im AWI auf einmal realistisch. Die endgültigen Zusammensetzungen der „Stationen“ klärten sich. In der 5. Klasse entwickelten die Schüler des Lloyd-Gymnasiums seit Mitte Februar 2006 mit der Choreografin zwei Tanztheaterstücke, die in bewegten Bildern eine Geschichte erzählen und Ozon in größerem Zusammenhang veranschaulichen konnten. Die Schüler waren von Anfang an mit großer Begeisterung und hohen Einsatz bei der Sache. Der Polarwirbel über der Antarktis interessierte und beschäftigte die Kinder.

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Der Widerspruch zwischen „gutem“ und „bösem“ Ozon, also der Ozonschicht und dem bodennahen Ozon, faszinierte die Kinder und wurde mit 32 Schülern tänzerisch umgesetzt. Hier ordnete die Choreografin die lebendigen Bausteine der Schüler zu einer dramaturgischen Folge. Für diese eher klassische Bühnensituation bot das AWI eine Räumlichkeit, die „Eisbärenhalle“, in der alle Zuschauer Platz fanden. Das Wort OZONTANZ, gebildet aus den Körpern der Schüler beider Klassen, sollte den Abschluss und Höhepunkt der Vorstellung bilden. Während die beiden Klassen in den verschiedenen Arbeitsgruppen oder als Klasse gemeinsam ihre Station entwickelten und probten, erarbeiteten die Guides mit den Profis des AWI´s ab April 2006 auch alle weiteren Aspekte der Veranstaltung, wie zum Beispiel Öffentlichkeitsarbeit, Plakat- und Programmgestaltung, Kostüme und Planung des Gesamtablaufs.


Zusätzlich dokumentierte eine Arbeitsgruppe das Voranschreiten des Projektes. Ab April 2006 standen die 7 Stationen von OZONTANZ fest, die hier des besseren Verständnisses wegen im Überblick aufgelistet sind:

  • Was wäre wenn?
    • Die Ozonschicht ist die Sonnenbrille der Erde. Ohne ihren Schutz können wir nicht überleben. Nach dieser Szene teilten die Guides die Zuschauer in fünf Gruppen ein.
  • Polarwirbel
    • Erst gasförmig, dann flüssig, dann fest. Dampf wird zu Wasser und schließlich zu Eis. So landen wir bei den Polkappen. Über der Antarktis kann man im Frühjahr eine starke Abnahmen der Ozonschicht feststellen – das
      Ozonloch. Wir befinden uns mitten im kalten Polarwirbel.
  • FCKW; Erde und Ozonschicht
    • Welche Rolle spielen die FCKWs, die Fluorchlorkohlenwasserstoffe? Die wichtigsten Teilnehmer im menschengemachten Ozonabbau werden einleuchtend auf den Punkt gebracht.
  • Montreal-Abkommen
    • Die Welt hat 1986 ein gemeinsames Handlungskonzept beschlossen, um die Ozonschicht zu retten. Bis dahin war es ein langer Weg.
  • Liebe Erde.
    • Ein Briefwechsel zwischen Erde und Ozonschicht und verschiedene eiskalte Einsichten.
  • Sedimente
    • Aus den Sedimenten vom Meeresboden lässt sich die Vergangenheit ablesen, wenn man sie entsprechend zu behandeln und zu deuten weiß.
  • Ozon plus minus
    • Wir werden mitten ins Thema hineingespult. Ist Ozon nun gut oder schlecht? Was macht es am Boden, was hoch oben in der Stratosphäre? Aus dem zweiatomigen Sauerstoff wird das dreiatomige Ozon. Smog zerstört Gebäudefassaden und Skulpturen. Die „blinde Menschheit“ schafft es gemeinsam und mit Hilfe der Wissenschaft, die Ozonschicht zu retten. Die fünf Besuchergruppen treffen sich zu diesem Finale in der „Eisbärenhalle“ wieder.

    Die Zuschauer wurden in Gruppen aufgeteilt und durch die„Guides“ von Thema zu Thema, von Ort zu Ort geführt. Durch diesen Modus entstand nicht nur eine intensive Atmosphäre, auch wiederholten fünf Stationen ihre etwa 7-minütige Tanzperformance 5 Mal pro Aufführung für die fünf Zuschauergruppen. Dabei ging es, in einer Art Themenführung mit Live-Elementen, immer um Ozon, unter verschiedenen wissenschaftlichen und künstlerischen Gesichtspunkten betrachtet. Um den technischen Anforderungen von mehreren „Bühnen“ im Alfred-Wegener-Institut gerecht zu werden, betreuten zwei Schüler zusammen mit der Haustechnik im AWI die verschiedenen Stationen. Das Alfred-Wegener-Institut kooperiert in diversen Projekten mit Schulen (HighSea) und hat ein großes Interesse an der Wissensvermittlung an junge Menschen. Wenn ein solches, international arbeitendes und anerkanntes wissenschaftliches Institut als außerschulischer Partner, in diesem originellen Ansatz Schulklassen und Lehrern sein Haus öffnet und einen Einblick in seine Arbeit gibt, entstehen ungewöhnliche Erlebnisse und Einsichten bei allen Beteiligten.

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    Die konzentrierte Atmosphäre im AWI, die hart, aber offensichtlich gern arbeitenden Wissenschaftler, das Zusammenspiel vieler Fachdisziplinen, die offenen Büros, die in der Architektur oder gegen die Architektur geschaffenen Treffpunkte für Gespräche – all das passte nicht zu den Vorstellungen der Schüler von nüchternsachlicher Wissenschaft. Das AWI ist ein sehr lebendiger Platz. Hier konnten die Schüler hautnah das Thema Ozon kennen lernen und im Eislabor ihre Widerstandsfähigkeit testen, während die Lehrer in der Bibliothek des Alfred-Wegener-Institutes stöberten.

    Auch für die Organisationskultur von Schule war das beeindruckend und hinterließ Spuren. Die Verbindungen zu schulischen Rahmenplänen und die gemeinsame Herangehensweise mit den Lehrern und Wissenschaftlern war für alle am Projekt Beteiligten eine Bereicherung. Die Anknüpfungspunkte der Fachunterrichte, die Umsetzung des Lehrstoffs, das Lernen unter Einsatz von ästhetischen Mitteln, sorgte für eine stärkere Verankerung der Lerninhalte. OZONTANZ war eine Herausforderung sowohl für die Schüler, als auch für die Schule, die beteiligten Partner und für die Projektleiterin. Projekte dieses Ausmaßes entwickeln in der Zusammenarbeit mit den beteiligten Menschen ein dynamisches Eigenleben und sind im gesamten Entstehungsprozess quicklebendig und unkalkulierbar. Das gute Renommee des Alfred-Wegener-Instituts und die gewachsenen Erwartungen an TAPST erhöhten den Erfolgsdruck immens. Die souveräne Gelassenheit, mit der das AWI, inmitten seiner Arbeitstätte den Vorstellungen von OZONTANZ mit 58 Schülern und ca. 120 Zuschauer pro Veranstaltung, entgegensah, hat sich gegen Ende des Projektes auf alle Beteiligten übertragen.

    Die Herausforderung machte zugleich die große Faszination und Befriedigung in der Projektarbeit aus und war selbst in der stressigen Abschlusszeit der 10. Klasse für alle spürbar. Es fanden mehrere Vorstellungen von OZONTANZ in Bremerhaven statt, sowie ein Gastspiele in der Forschungsstelle in Potsdam. Durch die vielen Vorstellungen hatten die Schüler die Gelegenheit, sich wie Profis zu fühlen und sich von Vorstellung zu Vorstellung zu steigern. Besonders das Gastspiel im AWI in Potsdam war mit den Schwierigkeiten der verschiedenen räumlichen Gegebenheiten für die Schüler eine große Anforderung in Sachen Flexibilität und Teamfähigkeit. Dieses Projekt wurde von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung gefördert und nahm an den Netzwerktreffen der Themenateliers in Jena teil. OZONTANZ verband Wissenschaft, Schule und Kunst in ungewöhnlicher Weise, denn es übertrug wissenschaftliche und künstlerische Ansätze auf schulische Arbeit.