Klangkörper-Körperklang (2005/2006)

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Der Umgang mit den Themen „Körper“ und „Klang“ sollte in KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG, das ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Immanuel-Kant-Schule war, eine lebendige und authentische Qualität gewinnen und Bewegung als persönliche körperliche Erfahrung, kommunikatives Handeln und gestalterische Aktion begreifbar werden. KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG ist durch das Ineinandergreifen der verschiedenen Bereiche (Arbeit an und mit Texten, Tanz und Improvisation, Herstellen von Musik, Filmaufnahmen und Filmbearbeitung, Licht und Videoinstallation, Live–Einspielungen usw.) fächer- und spartenübergreifend. Die Erarbeitung der technischen Fähigkeiten in allen Bereichen wurde sowohl von Lehrern als auch von professionellen Künstlern begleitet und angeleitet. Eine ausführliche Projektdokumentation finden Sie auch in der Datenbank Praxisbeispiele der Initiative Kinder zum Olymp.



Der Tanz macht die Musik – macht den Tanz – macht die Musik!

Tanzen ist seit vielen Jahren ein wichtiger Angebotsbereich der Immanuel-Kant-Schule. Gruppentänze im Unterricht, Tanzarbeitsgemeinschaften betreut von professionellen TänzerInnen, Street Dance und Breakdance waren bisher Angebote, die von Schülerseite immer wieder angefordert wurden. Es war jedoch festzustellen, dass sich all diese Angebote in erster Linie nachahmend gestalteten, was nicht grundsätzlich verkehrt, aber doch ausbaufähig ist. Im Allgemeinen tanzen Jugendliche, wenn überhaupt, zu „ihrer“ Musik.

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Zu welcher Musik man tanzt ist für Jugendliche dabei von großer Wichtigkeit und Bedeutung und entscheidet oft über das „dazu gehören“ oder nicht. Dieser Umstand beengt und beeinflusst die Erlebniswelt in hohem Maße. Wir wollten die Jugendlichen mit anderen, für sie neuen Klängen in Kontakt bringen und ihnen einen Zugang zu Tanz und Bewegung abseits der klischeehaften Vorstellung (Ballett oder Clipdance auf MTV) ermöglichen. Weg vom reinen Konsum perfekter Sounds und Bilder, hin zu eigenständigem, kreativem Umgang mit den persönlichen Möglichkeiten.

Der Umgang mit den Themen Körper und Klang sollte in KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG eine lebendige und authentische Qualität gewinnen und Bewegung als persönliche körperliche Erfahrung, kommunikatives Handeln und gestalterische Aktion begreifbar werden. KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG stellt gewohnte Musik- und Tanzstereotypen in Frage. Klänge, Geräusche, bei Tanzimprovisationen aufgenommen und elektronisch aufbereitet, waren der Soundtrack für die Performance, resultierend aus den Fragen:

· Welche Klänge gehören zu unserem Körper?
· Welche Klänge können und wollen wir selbst erzeugen?
· Was bewegt uns – wie bewegen wir uns zu diesen Klängen?

Die Klänge dabei selber zu produzieren und aufzunehmen war genauso wichtig, wie sie selbständig am Computer zu verfremden. Gleichzeitig erstellten die Schüler im Deutschunterricht eigene Texte und Satzfragmente, die neu zusammengesetzt zu wandelbaren Arrangements ungewöhnlicher Wortkombinationen mit poetischer Schönheit wurden. Auch aus übersetzten Texten „ihrer Songs“ wurden durch diese Technik neue Wort- und Gedankengebilde. Diese verschiedenen Kompositionsmöglichkeiten verstärkten und unterstützten sich durch die Einbindung in Bewegungsvorgaben. Einige der Schüler sprachen „ihre“ Sätze nur bei einer bestimmten Berührung und Bewegungsfolge aus. Die daraufhin entstehenden Texte klangen jedes Mal anders. „Sprecher“ und „Berührer“ waren bei unterschiedlichem Bewegungsvokabular miteinander
in Kontakt.

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In der fertigen Choreographie wechselten sich die von den Schülern erarbeiteten Szenen mit solchen ab, in denen alle gemeinsam an einem Bild beteiligt waren oder es eine gemeinsame Bewegungsfolge gab. Es gab in der entstehenden Choreographie wenig komplett festgelegte Anteile. Die Schüler hatten ein Geflecht aus Absprachen und Verantwortlichkeiten und mussten im Verlauf ständig untereinander kommunizieren. Der Tanz wurde also nicht aus vorgefertigtem Schrittmaterial und vorgegebenem Rhythmus entwickelt, sondern entwickelte sich aus emotionalen Vorgaben aus der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen. Getanzt und improvisiert wurde zu den Geräuschen, die aus den vorherigen Sessions stammten. Diese wurden von den „Ton-Schülern“ elektronisch aufbereitet und bei jeder Vorstellung in Reaktion auf die Tänzer eingespielt.


Mehr und mehr reagierten sie auf das, was im Moment entstand. Auf dieser Basis wurden die Tanz-, Sprech-, Improvisations- und Geräuschsequenzen nach dramaturgischen Gesichtspunkten locker festgelegt und geordnet, an einer Stelle mit Musik im herkömmlichen Sinn „unterfüttert“. Die choreografischen Sequenzen und Bilder wurden außerdem von Schülern mit Digitalkamera und Video festgehalten und anschließend digital bearbeitet. Diese Bilder wurden, gemischt mit Live- Einspielungen, wieder auf die Tänzer projiziert und diese korrespondierten wiederum mit ihrem virtuellen Alter Ego. Die beteiligten Schüler lernten unter Anleitung eines Mediengestalters Bildgestaltung/Aufnahmetechnik, nonlinearen Videoschnitt und bewährten sich als Video-Jockeys. So entstand in der Summe ein spannendes Vexierspiel von hoher ästhetischer Qualität, welches wiederum mit einer Videokamera dokumentiert wurde und somit auch von den agierenden Schülern betrachtet
werden konnte.

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KLANGKÖRPER-KÖRPERKLANG ist durch das Ineinandergreifen der verschiedenen Bereiche (Arbeit an und mit Texten, Tanz und Improvisation, Herstellen von Musik, Filmaufnahmen und Filmbearbeitung, Licht und Videoinstallation, Live– Einspielungen usw.) fächer- und spartenübergreifend. Die Erarbeitung der technischen Fähigkeiten in allen Bereichen wurde sowohl von Lehrern als auch von professionellen Künstlern begleitet und angeleitet. Für die Jugendlichen wurde so spür- und greifbar, dass sie aus der von ihnen geschätzten Retortenästhetik von MTV & Co etwas Eigenes gestalten können. Ein wichtiger Aspekt: Alle Schüler sollten in diesem Projekt die Chance haben, sich auch als „Tänzer“ zu beteiligen, daher sind die ersten Projekt-Tanz-Tage immer für alle Schüler verpflichtend. Dieses Vorgehen haben wir gewählt, weil der männliche Anteil fast aller Klassen sich auf freiwilliger Basis spontan gegen das Tanzen entscheiden würde. Durch die verpflichtende Teilnahme aller Schüler an den ersten Tanzeinheiten haben die Jungen in der Klasse die Möglichkeit ihr Gesicht zu wahren. Erfahrungsgemäß ändert ein Teil der Jungen nach den eigenen Erlebnissen in den Projekt-Tanz-Tagen seine Meinung und nimmt die Gestaltung der Choreographie gern aktiv in die eigenen Hände. Bei der Arbeit an Bewegungsaufgaben, die viel Körperkontakt verlangen, entstehen fast ausnahmslos gleichgeschlechtliche Arbeitsgruppen. Es ist dabei wichtig, den Jungen unterschiedlicher Kulturen ihre Kraft und ihre Risikofreude im Tanz nicht zu nehmen. Ihre eigenständig erarbeiteten Bewegungsaufgaben zeigen ein dynamischeres und unabgestimmteres Bild als das der Mädchen. In der Zusammenarbeit macht genau diese Spannung den Reiz und die Frische aus. Die Mädchen haben vermutlich eindeutigere Vorbilder und Muster im Kopf, die ohne die schnellen Schnitte und Lichteffekte des TV Konsumenten eher langweilig und betulich wirken. Ihre Gestaltungen sind in der Feinabstimmung untereinander unschlagbar und präzise eingespielt. Die Gestaltung der Jungen lehnt sich an nichts an, sie probieren wild, unkonventionell und mit hohem Kraftaufwand. Die Wiederholbarkeit herzustellen, ist oft das größte Problem. Sie sind überrascht von den viel versprechenden Ergebnissen und der Aussagekraft der Körper – genau wie die Mädchen. Beide Gruppen lernen in der gemeinsamen Arbeit sehr viel voneinander.