FAR-BE-TANZT (2007/2008)


“FAR-BE-TANZT” war die Fortsetzung der Kooperation zwischen der mittlerweile 4. Klasse der Pestalozzischule und der mittlerweile 7. Klasse des Lloyd Gymnasiums, die bereits in dem Projekt “O3…tanzt!” zusammen gearbeitet hatten. Bei dem Projekt “FAR-BE-TANZT” wurden wie bei den Vorgängerprojekten mit den beiden Schulen, “OZONTANZ” und “O3…tanzt”, mehrere Ziele verfolgt. Zum einen sollte bei diesem Projekt, wie auch bei anderen Projekten, erlebbare und von den SchülerInnen mitgestaltete Kultur mit einem lehrplankonformen Thema in den Regelunterricht eingebunden werden. Ebenfalls wichtig war, bei den Kindern und Jugendlichen den Spaß an der Bewegung zu fördern, die soziale Kompetenz zu stärken und einen Anreiz zu schaffen Kreativität und Phantasie intensiver zu nutzen.

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Am Anfang des Projektes stand lediglich das Thema “Farben” fest, das durch gemeinsame Gespräche über in Betracht kommende Themen mit den Verantwortlichen, Lehrern und Lehrerinnen der Schulen gefunden wurde. In alle Entscheidungen waren die SchülerInnen jederzeit als gleichberechtigte Partner auf “Augenhöhe” mit eingebunden. Das Thema Farben wurde gewählt, da es sich sehr gut in verschiedene Fächer einbinden ließ und die Neugierde bei den SchülerInnen weckte, denn die Frage war: “Wie tanzt man Farben?” Die Projektarbeit fand über den gesamten Zeitraum in Form von Projektunterricht mit einer Doppelstunde pro Woche und Projekttagen im Regelunterricht statt. Zusätzlich dazu wurde das Thema theoretisch im Unterricht behandelt. Um dieses Thema tänzerisch umsetzen zu können, richtete sich die gemeinsame Arbeit anfangs darauf zu klären was Farben sind, was sie bedeuten, welche Stimmungen und Gefühle sie ausdrücken können und was die SchülerInnen mit den einzelnen Farben assoziieren.

In den Fächern Kunst, Deutsch, Chemie und Physik der 7. Klasse und den Fächern Sachkunde/Kunst und Deutsch der 4. Klasse wurde das Thema Farben aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Im Bereich Kunst beschäftigte man sich damit wie Farben wirken können, was man mit ihnen ausdrücken kann und wie sie in der Kunst eingesetzt werden. Die wissenschaftlichen Fächer Chemie und Physik zielten auf Themen, wie dem Farbspektrum und der Frage warum sind Farben überhaupt Farben. Dass in der deutschen Sprache Farben, wie schwarz sehen oder rot vor Wut, sehr häufig und selbstverständlich eingesetzt werden, behandelten die SchülerInnen im Deutschunterricht. Die tänzerische Arbeit zielte in dieser Phase noch nicht direkt auf eine choreografische Umsetzung des Themas, sondern darauf was die SchülerInnen mit den Farben assoziieren.

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Mit der Verwendung verschiedener Materialien, z. B. mit farbigen Tüchern und farbigen Kartons zum beschriften, sollten sie diese Assoziation schriftlich/mündlich und durch Bewegung verbal und nonverbal ausdrücken. Nachdem jeder seine eigene Vorstellung dazu entwickelt hatte, wie man Farben mit Bewegungen ausdrücken kann, wurde mit der tänzerischen Arbeit begonnen. Auch die Choreografie musste erst noch entstehen und wurde nicht als statisches Gebilde vorgegeben. Soweit es möglich war, wurden die SchülerInnen in diese Entwicklung einbezogen und auch als Peer Tutoren gefordert. Bei der Arbeit musste auf den Altersunterschied und das Geschlecht eine gewisse Rücksicht genommen werden. So wurde je nach Bedarf in Gruppen- und Klassenverbänden oder mit beiden Klassen zusammen gearbeitet. Zum Teil wurden in Gruppen Teile der Choreografie selbständig von den SchülerInnen entwickelt und im Klassenverband den anderen vorgeführt, Meinungen darüber ausgetauscht und im Gesamtverband an die andere Klasse weitergegeben. So übernahmen die SchülerInnen, teilweise unbewusst, ein Stück Verantwortung für das Gelingen.

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Nachdem das Gerüst “Choreografie” weitestgehend stand, nahm die Häufigkeit der Zusammenarbeit der beiden Klassen zu. Es wurde geprobt und weiter an der Choreografie gearbeitet und um keine Monotonie aufkommen zu lassen haben wir uns manchmal ein wenig vom Tanzstück entfernt, um wieder zu ihm zurückzukehren. Z. B. hatten die “Jungs” der 7. Klasse den Wunsch geäußert, man wolle auch mal mit einem männlichen Tänzer arbeiten. Hierfür gewannen wir einen professionellen Bühnentänzer, der im Rahmen eines Projekttages mit den “Jungs” gearbeitet hat. Als die Choreografie endgültig stand, fingen wir an das Stück intensiver zu proben, da die Premiere für den 14. Juni 2008 bei der “Langen Nacht der Kultur” in Bremerhaven bereits als Programmpunkt feststand. Für diese Proben standen uns, um nicht zuviel Druck entstehen zu lassen, zu dieser Zeit mehr Projekttage zur Verfügung. Neben der genannten Premiere, zu der sehr viele Zuschauer kamen, wurde das Stück von den SchülerInnen in Bremen, im Rahmen des Norddeutschen Tanztreffens, erneut aufgeführt. Für den 2. und 3. Juli waren vier weitere Vorstellungen angesetzt, zu denen Schulklassen aus Bremerhaven eingeladen waren. Dies sollte auch Interesse an dieser Art der Projektarbeit wecken und den SchülerInnen die Möglichkeit geben ihren MitschülerInnen zu zeigen, was sie gelernt und geleistet haben.

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Mit dem Ende des Schuljahres 2007/2008 endete das Projekt, da die SchülerInnen der 4. Klasse mit dem neuen Schuljahr auf verschiedene Schulen wechselten. Dies hinderte TAPST jedoch nicht daran die SchülerInnen im November 2008 noch einmal zu einer Neuauflage von FAR-BE-TANZT zusammenzubringen. Nach einer Probe am 3. November präsentierten die SchülerInnen am 4. November im Rahmen der 1. Bremerhavener Schulkulturwoche, “cooltour 08″, das Tanztheaterstück im Theater im Fischereihafen vor ca. 100 Zuschauern. Den krönenden Abschluss bildete die Fahrt von 14 SchülerInnen (+ Begleitpersonen) nach Berlin um das Projekt als “best practise Beispiel” bei einer Fachkonferenz des Themenateliers kulturelle Bildung an Ganztagsschulen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung vorzustellen.

Fazit:
Über den gesamten Zeitraum konnte man neben dem “normalen”, altersspezifischen Verhalten einen positiven Einfluss auf das Verhalten feststellen. Durch die gemeinsame Arbeit von zwei verschiedenen Jahrgangsstufen, wurde besonders die soziale Kompetenz gefördert. Wir stellten fest, dass es mit diesem Konzept teilweise möglich ist das “normale Schulhofverhalten” auszuhebeln. Die “Kleinen” wurden plötzlich nicht mehr gehänselt und die “Großen” waren nicht mehr “doof”. Die SchülerInnen der 7. Klasse übernahmen für die Kinder der 4. Klasse ein Stück weit Verantwortung und stiegen dadurch bei ihnen zu “kleinen Idolen” auf. Neben diesem hervorhebenswertem Effekt, hatte das Projekt auf weitere Bereiche einen positiven Einfluss. Den SchülerInnen machte das Lernen durch die Verbindung von theoretischem Wissen und der praktischen Umsetzung in Bewegung Spaß und der Lerneffekt wurde, wie es sich bereits bei den Vorgängerprojekten gezeigt hatte, positiv beeinflusst.

Im Grunde kann man das im Projekt Erreichte in einem Satz zusammenfassen:
Junge Menschen konnten Kultur mitgestalten, haben Potentiale und Fähigkeiten an sich entdeckt, die sie teilweise nicht kannten oder für möglich hielten und haben gelernt, dass nicht nur jemand auf der Titelseite etwas besonderes ist.

TAPST ist an der Nachhaltigkeit der Kooperation der beteiligten Schulen sehr interessiert. Aus diesem Grund fand am 10. April 2008 mit Vertretern der beiden Schulen und einer Vertreterin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, von der dieses Projekt und die beiden Vorgängerprojekte über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert wurden, ein Entwicklungsgespräch statt, das von Frau Sc. Dipl.-Ing. agr. Bettina Schäfer moderiert wurde. Das Ergebnis des Gesprächs, bei dem alle Beteiligten ein großes Interesse an einem Fortbestehen der kooperativen Arbeit zwischen den beiden Schulen zeigten, verlief sehr positiv. Die Schulen streben die Fortsetzung der Kooperation untereinander an und möchten weiterhin an dem schul-, jahrgangsstufen- und fächerübergreifenden Konzept des Projektes festhalten.

Dieses Projekt wurde im Rahmen des Themenateliers “Ideen für mehr” von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung gefördert.
Pressetext über die Lange Nacht der Kultur 2008